Psychoterror, 51 Schüsse und 7 Kilometer Akten – Besuch im Stasi-Unterlagen-Archiv
Das Ministerium für Staatssicherheit gehört zu den düstersten Hinterlassenschaften der DDR. Als „Schild und Schwert der Partei“ verantwortete die Stasi unter anderem die Auslandsspionage der DDR, aber auch die Überwachung der eigenen Bevölkerung im Inneren und die psychische „Zersetzung“ angeblicher Feinde. Über unzählige Operative Vorgänge wurden Akten sowie Karteikarten angelegt und Beweismittel gesammelt.
In den Tagen der Friedlichen Revolution 1989/90 wurden auf dem Gebiet der gesamten DDR die Dienststellen des MfS besetzt und Akten vor der Vernichtung bewahrt. Diesem Erbe widmet sich das Stasi-Unterlagen-Archiv.
Auf dem Areal der ehemaligen Stasi-Bezirksverwaltung in Halle-Neustadt befindet sich heute eine Außenstelle dieses Archivs.
Die Klasse 10d besuchte diesen außerschulischen Lernort am Mittwoch, 10. Juni. Nach einem allgemeinen Überblick über Aufbau und Aufgaben des MfS erkundeten wir das Informations- und Dokumentationszentrum und vertieften unsere Kenntnisse über diesen Teil der DDR-Geschichte. Ganz nebenbei brachten wir Ordnung in die Abkürzungsflut des MfS (zum Beispiel IM, OV oder POZW) und erkannten, wie weitreichend die Befugnisse der Stasi waren.
Anschließend wurden uns die Türen des eigentlichen Archivs geöffnet und wir erfuhren etwas über die unterschiedlichen Aktenarten, aber auch über andere Archivalien, deren Schutz und Lagerung. In Halle lagern Akten des MfS im Umfang von etwa 7 Kilometern; insgesamt hat die Stasi über 110 Aktenkilometer hinterlassen. Dabei sind noch immer nicht alle Akten rekonstruiert und digitalisiert.
Schließlich arbeiteten wir in Gruppen an einem konkreten Fallbeispiel: 1979 wurde der 15-jährige Heiko Runge aus Halle-Neustadt bei seinem Versuch, die DDR zu verlassen, an der deutsch-deutschen Grenze im Harz erschossen, dabei wurden 51(!) Schüsse auf den Schüler abgegeben. Auszüge aus den Ermittlungsakten, aus internen Dokumenten des MfS u. Ä. boten hier eindrückliche und unverfälschte Einblicke und erlaubten eine abschließende Diskussion, die uns zeigte, dass wir Freiheit und Selbstbestimmung gar nicht hoch genug achten können.
Wir bedanken uns bei Frau Burghoff, Frau Vogel und Herrn Steinhäuser für die Ausgestaltung des interessanten Projekttags!